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„Nicht engelsgleich. Nur tränenreich. Gar nicht schön.“
Andrea Rothaugs Romandebüt Frierkind
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Max Tinker ist kein Tausendsassa, kein Kraftmeier, auch kein Raffke. Er ist das, was Modemagazine unscheinbar nennen: ein liebenswerter Ekelheld mit herrlichen Marotten, der sich in einer bunten, musikalischen Welt bewegt, deren Zeichen er nicht versteht. Im Auge des Orkans, die Dinge aus der zu Distanz betrachten – das ist die hohe Kunst des Max Tinker, Held des Debütromans der Hamburger Autorin Andrea Rothaug. Von den Dingen aus der Distanz betrachtet zu werden - das ist Schicksal des emotional isolierten Großstadthelden. Frierkind ist ein Künstlerroman, der sich gekonnt und amüsant im exzentrischen Untergrund einer Stadt bewegt, deren Sprache der Fliehkraft der täglichen Umdrehungen nicht widersteht. Rothaug setzt drastische Akzente in einer gewaltigen Sprache, die virtuos wuchernd die Geschichte eines jungen Mannes schildert, der im Würgegriff seiner exzentrischen Mutter die erste Liebe erlebt. Voyeurismus, Musik, Kunst, Exzentrik, Underground, Einsamkeit und andere verlorene Welten bilden den Schauplatz dieses Debüts, das ausspricht, was andere nicht zu denken wagen.

In Frierkind agiert die Großstadt, sie ist Universum und mechanisches Objekt, das den Einzelnen nicht beherbergt, sondern feindlich umgibt. Die Stadt ist Moloch. Ihre Protagonisten sind hippe Dauerbohèmiens, die sich in der Nacht bewegen wie Fische im Wasser. Und doch legt Rothaug ein geradezu hysterisches Fröhlichsein über die Szenen; andauernd kämpfen die Figuren um ihren Status als Insider, als Avantgarde der Musik- und Kunstszene, ebenso ruhelos wie verbissen. Und obwohl die Autorin die „Stadt“ nur scheinbar nebenbei in unzähligen kleinen Splittern ablichtet, setzt sich aus diesen Bruchstücken ein bedrückendes und bedrohliches Ganzes zusammen.

Andrea Rothaugs Debüt Frierkind ist auch ein Gesellschaftsroman. Ein realistischer, ja naturalistischer Roman und eine dem literarischen Topos entsprechende, nahezu klassische Liebesgeschichte. Frierkind verabschiedet sich von einer der vorherrschenden Tendenzen der jüngeren deutschen Literatur: die Autorin setzt sich nicht ausschließlich mit einem privaten Mikrokosmos auseinander, sondern holt mit ihrem Text das Politische, die Gesellschaft, zurück in die deutsche Literatur. Und so steht unausgesprochen als Frage über dem gesamten Roman, was geschieht mit dem Menschen in einer endmoralisierten Gesellschaft? Andrea Rothaug gibt keine Antworten, aber brennender und wütender ist diese Frage lange nicht gestellt worden.

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